Aktuelles

Elternforum der KED in NRW

Warum Kinder und Jugendliche eine beziehungsorientierte Pdagogik brauchen -mit fesselndem Vortrag von Professor Joachim Bauer

Warum Kinder und Jugendliche eine beziehungsorientierte Pdagogik brauchen“ so
lautete der Titel des KED Elternforums, zu dem die KED in NRW (Katholische Elternschaft
Deutschlands, Landesverband) ins Hotel Franz in Essen eingeladen hatte. Im Mittelpunkt
stand der sehr anschauliche Vortrag zum Thema von Professor Joachim Bauer, Arzt,
Neurowissenschaftler und Psychotherapeut. Das Publikum folgte seinen wissenschaftlich belegten und auch fr Laien verstndlich vorgetragenen Ausfhrungen mit groem Interesse. Er verwies dabei auch auf sein gerade herausgegebenes Buch „Das empathische Gen“.


Bevor der Referent mit neurowissenschaftlichen Fakten darlegen konnte, wie sehr Kinder und Jugendliche verlssliche Beziehungen brauchen, um sich wertgeschtzt zu fhlen und motiviert zu sein, begrte Andrea Honecker, Vorsitzende der KED in NRW die Teilnehmer und berbrachte zunchst Gre von Schulministerin Yvonne Gebauer, die kurzfristig ihre Teilnahme am Elternforum aus persnlichen Grnden absagen musste. Sie betonte, wie wichtig Beziehungen fr Kinder und Jugendliche sind. Dies habe der in der Corona-Pandemie erfolgte digitale Unterricht gezeigt, wo Zehntausende von Eltern im eigenen Zuhause die Bedingungen geschaffen htten, damit ihre Kinder am Distanzunterricht teilnehmen konnten. Einprgsam in dem Zusammenhang war ihr Satz: „Unsere Kinder sind
keine digitalen Endgerte, gesteuert von perfekten Bildschirmoberflchen.“ Sie seien
Personen, die Beziehungen bruchten. Eine gute Schule sei deshalb die, die in den
nchsten Jahren nicht nur die inhaltlichen Defizite, sondern auch Versumtes im sozialen Bereich in den Blick nehme. Dies unterstrich auch Dr. Bernadette Schwarz-Boenneke aus dem Erzbistum Kln fr die Konferenz der Schulabteilungsleiter der Bistmer in ihrem Gruwort. Welche Folgen die Pandemie mit Distanz statt Nhe, Isolation statt Partizipation auf das soziale Leben habe, knne man heute nur erahnen, betonte sie. Der Mensch sei von Anfang an ein Beziehungswesen, auch in der Beziehung zu Gott. Die Pandemie habe gelehrt, dass es wichtig sei, als Mensch wahrgenommen und gesehen zu werden.


Damit griff sie bereits einen Inhalt des Vortrags von Professor Joachim Bauer auf. Er fhrte aus, dass familire und andere soziale Erfahrungen das Gehirn des Kindes prgen. Liebevolle Frsorge durch die Bezugspersonen frdert das Gehirn-Wachstum und die „guten“ Gene und damit die kognitive Leistungsfhigkeit und das Gedchtnis, stellte er neuropsychiatrisch belegt dar. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass bei wenig elterlicher Untersttzung, Vernachlssigung bzw. wenig Zuwendung und sicheren Bindungen gerade in den ersten fnf Lebensjahren das Gehirnvolumen bei Kindern bis zu 20 Prozent kleiner ist. Auch dass psychische Erfahrungen Gene aktivieren und deaktivieren („Genregulation“), ist bereits wissenschaftlich untersucht, wie Professor Bauer darlegte. So knnen z. B. Zuwendungserfahrungen in den ersten Lebensmonaten spter das Risiko von Stress, Angststrungen, Depression, Essstrungen. bergewicht und Sucht mindern. In einem Nebensatz bemerkte Professor Bauer noch, dass physische Prsenz der Lehrer („die nicht
ersetzbar durch digitalen Unterricht ist“) wichtig dafr sei, dass Kinder lernen knnen. Er
erklrte, dass es zu Beginn des menschlichen Lebens kein „Selbst“ gibt und die
Kontaktaufnahme durch Spiegelung und Resonanz erfolgt. Die Bezugspersonen imitieren den Sugling, der Sugling imitiert die Bezugspersonen. Die Summierung frher Resonanzerfahrungen fhrt zur allmhlichen Entwicklung eins kognitiven Selbst-Bildes. Er hob in dem Zusammenhang hervor, dass in den ersten beiden Lebensjahren eine eins zu drei Betreuung in den Kitas wesentlich sei. Das Beziehungen bzw. das „Gesehen-Werden“ bzw. als Person wahrgenommen zu werden ebenso wichtig fr die Motivation, die Lebensfreude und die Anstrengungsbereitschaft von Kindern und Jugendlichen ist,
unterstrich der Referent ausdrcklich. Das Kind oder den Jugendlichen zu sehen, bedeute jedoch nicht es oder ihn zu verwhnen, stellte Professor Bauer heraus. Es gehe um die richtige Dosierung von Lob und Zurechtweisungen (auch als Lehrer*in), freundlich und immer wertschtzend. Ausgrenzung und Beschmung aktiviere das Schmerzsystem, was wiederum zu Aggression fhre. Er unterstrich auerdem, dass Kinder ab dem 3. Lebensjahr und Jugendliche liebevoll angehalten werden sollten, die Regeln des sozialen Zusammenlebens einzuhalten und die Perspektive anderer zu bercksichtigen. Wichtig sei, so Professor Bauer, auch die Vermittlung von Werten und Tugenden zur eigenen Orientierung. Eine Sinn-geleitete, empathische Lebenseinstellung beruhige die Risikogene und schtze die
Gesundheit, erklrte er. „Prosoziales Engagement hat positive Effekte auf die krperliche und seelische Gesundheit.“ Er schlussfolgerte, dass wir, wenn wir Kindern und Jugendlichen helfen, nicht nur ihnen was Gutes tun, sondern unsere eigene Gesundheit frdern. Abschlieend pldierte Joachim Bauer fr so viel persnliche Beziehung wie mglich beim Unterrichten: Wenn dieser schon digital stattfinde, dann in Form einer Video-Konferenz.

BU: Professor Joachim Bauer begeisterte die Teilnehmer des KED Elternforums mit
einem sehr anschaulichen Vortrag.Fotos und Text: Eva Weingrtner